Partnerschaft mit anglikanischer Kirchengemeinde

Partnerschaft
Zornheim/Ebersheim + Biddenden/Smarden


 Bilder von unserem Besuch im September 2014

Trip to Biddenden / Smarden (UK) - A travel report

Es ist Donnerstag der 25. September 2014 6:00 Uhr früh in Zornheim. Vor dem Haus von PfarrerWallrabenstein treffen sich vier Vertreter der Ev. Gemeinden Mainz-Ebersheim und Zornheim um sich auf den Weg nach Biddenden / Smarden in England zu machen.

Aber warum nur ?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir die Zeit um etwa ein Jahr zurückdrehen. Der Pfarrer machte, wie schon oft, Urlaub in England. Bevor es von Dover wieder zurück gen Heimat gehen sollte, wurde noch nach einem Bed & Breakfest gesucht und man wurde in Biddenden fündig. Es ergab sich dabei auch die Gelegenheit einen Gottesdienst zu besuchen und sogar den Pfarrer von Biddenden / Smarden, Alex Bienfait, kennenzulernen.

Während der Fahrt zurück nach Zornheim dauerte es nicht lange und die Idee einer Partnerschaft zwischen den beiden Doppelgemeinden war geboren. Erst einmal im Kopf von Pfr. Wallrabenstein. Doch schon bei den nächsten Sitzungen der Kirchenvorstände wurde das Thema 'Partnerschaft mit Biddenden/Smarden' auf die Tagesordnung gesetzt und wohlwollend diskutiert. Die beiden Pfarrer tauschten sich regelmäßig aus und fanden einen Termin für ein erstes Treffen in England.

Es sollte das Wochenende des Biddenden Flower-Festival und Erntedank-Gottesdienstes sein. Und so startete die kleine Delegation voller Erwartungen in Richtung Biddenden und Smarden.Die Fahrt war kurzweilig und sogar die Fähre in Dünkirchen hat mit dem Ablegen gewartet bis auch wir an Bord waren. Das diese Fahrt ein Erfolg werden sollte war schon bei der Ankunft in Davor klar : die 'White Cliffs of Dover' strahlten in der Sonnen - einfach herrlich.

Ab sofort übernahm Pfr. Wallrabenstein das Steuer im Auto. Mit der größten England-Erfahrung kann er problemlos links fahren, auch in verschachtelten Kreisverkehren. So gelangten wir sicher nach Biddenden, wo uns Alex Bienfait, der Pfarrer von Biddenden und Smarden, in seinem Garten mit Tee empfing. Bald gesellten sich seine Frau Stephanie und der Hund Pipin dazu und es wurde geplaudert bis zum Abendessen.

Die Rectory füllte sich immer mehr, denn unsere Gastfamilien kamen noch hinzu und damit auch mehr Gesprächsstoff. Wir erzählten von unseren bisherigen Englandaufenthalten und hörten die Deutschlanderfahrungen unserer Gastgeber. Es wurde viel gelacht und es gab einiges zu hören was wir von unserem Land und unserer jüngeren Geschichte so noch nicht kannten (z.B. Englische Jugendgruppen in der DDR).

In dieser Runde stellte Alex Bienfait uns das vorbereitete Programm der kommenden Tage vor. Es sollte spannend, informativ und nie langweilig werden.

Freitag, es ist noch früh, doch Katharina Wallrabenstein muß schon raus. Nein, sie will ! Sie hat die Chance erhalten mit Naomi, der Tochter von Catherine Wilson (Curate (=Vikarin) in Biddenden & Smarden), die Schule zu besuchen und nutzt sie. Es ist eine reine Mädchenschule.

Pfr. Alex Bienfait hatte für diesen Tag einen Ausflug nach Canterbury geplant. Für Pfr. Wallrabenstein, Ellen Kneib und mich ging es aber nicht zum shoppen oder zu touristischen Stadtrundgängen. Vielmehr waren zwei, äußerst interessante ‚Arbeitstreffen' organisiert. Hier hatte es Alex Bienfait geschafft Themen auszusuchen, die unsere beiden Gemeinden aktuell stark bewegen: Flüchtlinge in der Gemeinde und Foodbank ( ‚Tafel' )

Auf dem Canterbury Food & Drink Festival trafen wir die Vorsitzende der Kent Refugee Action Network (KRAN) Organisation. Dies ist eine unabhängige Hilfsorganisation speziell für elternlose Asylsuchende und Flüchtlinge. Ein Hauptanliegen dieser, von Freiwilligen und wenigen hauptamtlich geführten, Organisation ist es, jungen Menschen zu helfen sich in einer fremden westlich geprägten Welt zurecht zu finden. Wir hatten mehr als eine Stunde ein interessantes und informatives Gespräch. Ich möchte hier auf die Internetseite von KRAN verweisen ,da es unmöglich ist alle Details wiederzugeben.

Dank der Ortskenntnis von Alex Bienfait und seiner Frau fanden wir den versteckten Ort Greyfriars Chapel, abseits von jedem Tourismus. Dort stärkten wir uns für den Besuch der Canterbury Cathedral - dem Geburtsort der Church of England. Die Kathedrale ist absolut beeindruckend. Zentrale Orte in der Kathedrale sind der Altar zum Martyrium von Thomas Becket und die Kerze die den ehemaligen Standort seines Sarges markiert. Ich muß gestehen, dieser Besuch hat bei mir schon einige Blicke in Wikipedia ausgelöst um mehr über die Geschichte der Church of England zu erfahren.

Der Besuch einer Foodbank ( ‚Tafel')

Das war natürlich für uns eine sehr willkommene Gelegenheit sich mit den Menschen zu unterhalten und für unsere Partnerschaft etwas Werbung zu machen. Ein Highlight an diesem Vormittag war die Besteigung des Kirchturms. Auf halber Strecke befand sich die Stube der 'bellringer'. Bellringing ist eine im angelsächsischen Kulturraum verbreitete Kunstform des Wechselläuten. Dabei werden bis zu 8 Glocken in Wechsel nach einem vorgegebene Rhythmus geläutet. Ein Meister der Biddender Bellringer hat uns die Technik sehr gut erklärt und einige von uns haben das Läuten auch einmal selbst ausprobiert - auch wenn es nicht zum Wechselläuten reichte. Ich bin sicher, wir haben die Bevölkerung mit unserem amateurhaften Geläut ins Grübeln gebracht. Oben auf dem Kirchturm hatten wir einen umwerfenden Blick über Biddenden und die umliegenden Wiesen und Hügel.

Der Abend war der Jugend gewidmet und bildete den Abschluß des Flower Festivals. In der Kirche von Biddenden fand ein Jazz-Pop-Konzert verschiedener Schulbands der Norton Knatchbull School statt. Eine Jungen-Schule in Ashford, deren Wurzeln bis in das 17. Jahrhundert reichen. Die Performance der Bands war aber alles andere als altertümlich, nein, absolut aktuell und auf hohem musikalischem Niveau dargeboten. Nur die engen Kirchenbänke waren hinderlich beim Mitswingen.

Offenes Fenster beim Frühstück am Erntedanksonntag. Na und? Die Bellringer läuteten zum Erntedankfest und sorgten so für andächtige Momente am Früstückstisch. Toll. Durch das Flower Festival war die Kirche in Biddenden besonders gut für Erntedank gerüstet. Doch ein Unterschied zu den Gottesdiensten in Zornheim und Ebersheim viel auf. Es wurden keine 'frischen' Lebensmittel als Gaben dargeboten. Dies hat hier keine Tradition. Aus unseren Gesprächen mit der Foodbank wussten wir aber auch, frische Lebensmittel finden keine Abnehmer - hauptsächlich aus gesetzlichen Gründen ( Lebensmittelhygiene ) und wegen der schnellen Verderblichkeit. So waren schon einige haltbare Lebensmittel aus dem alltäglichen Bedarf am Altar aufgebaut, die während des ersten Liedes durch Gottesdienstbesucher noch ergänzt wurden.

Unsere Delegation wurde im Gottesdienst herzlich willkommen geheissen und Pfr. Wallrabenstein erhielt die Gelegenheit das 'First Reading' zu übernehmen. Es wurde ausdrücklich darum gebeten dies in Deutsch zu tun. An anderer Stelle stellte er, dann auf Englisch, unsere Gemeinden in Zornheim und Ebersheim vor. Auch das Abendmahl durfte er mitausteilen. Eine sehr gelungene Integration.

Es blieb noch Zeit für eine Tasse Kaffee und dann fuhren wir nach Smarden zum dortigen Erntedank- Gottesdienst. Für den Pfarrer eine echte Parallele zu Zornheim und Ebersheim. Auch hier begrüßten uns die Bellringer. Nach dem Gottesdienst wurden wir von der Gemeinde Smarden in die Charter Hall zum Harvestlunch eingeladen. Dies war für uns die perfekte Gelegenheit mit verschiedenen Mitgliedern der Smardener Gemeinde in Kontakt zu kommen und Gespräche zu führen.

Nach dem Essen nutzten Klaus Wallrabenstein und ich noch die Gelegenheit den Ort Smarden etwas zu erkunden und die Kirche St. Michael etwas genauer zu betrachten. Wegen der eigentümlichen und offenen Dachkonstruktion im Inneren der Kirche wird diese auch die 'Scheune von Kent' (The barn of Kent) genannt. Und zum Ort nur soviel : Hier muß Inspector Barnaby wohnen! Sehr sympathisch.

Die Jugendarbeit gestaltet sich in Biddenden und Smarden nicht einfach, es gibt zu wenig junge Menschen direkt in den beiden Orten. Nur wenn noch andere Orte einbezogen werden, können größere Angebote gemacht werden. Ein solches Angebot war der Besuch der Rettungsbootstation in Lydd am Sonntag Abend. Es waren 6 Jugendliche aus Biddenden, Smarden und Tenterden die sich nach Lydd aufmachten und Katharina und Ellen durften mitfahren. Eine Diskussion zum Thema ' Kirche - Rettungsstation. Gibt es Gemeinsamkeiten? ' rundete den Abend ab. Pfarrer Alex Biefait würde sich freuen, wenn sich noch mehr Jugendliche für derartige Aktivitäten beigeistern lassen würden.

Am Abend hatten wir alle noch Gelegenheit mit unseren Gastfamilien die gemeinsamen Tage ausklingen zu lassen. Ich möchte an dieser Stelle allen ganz herzlich danken. Die Gastfreundschaft war riesig und die Tage in Biddenden und Smarden werden wir nicht vergessen.

Das Fazit dieser Begegnung kann nur sein: Diese Partnerschaft muß fortgeführt und weiter mit Leben gefüllt werden. In beiden Doppelgemeinden stellen sich im Alltag ähnliche Fragen, von Jugendarbeit über Mitgliederschwund bis Flüchtlingshilfe. Aber auch das Gemeindeleben, mit gemeinsamen Essen, Feiern und besonders gestalteten Gottesdiensten, muss ständig überdacht werden. Der Austausch von Erfahrungen und Ideen kann für uns alle nur von Vorteil sein. Von daher möchte ich uns alle ermuntern in den einzelnen Kreisen und Gruppen oder bei den Konfis auch einmal den Blick nach Biddenden und Smarden zu lenken. 

Kind regards .... Dieter Utesch

18.10.2014

Seit Sommer 2013 versuchen wir einen Kontakt zu einer anglikanischen Kirchengemeinde aufzubauen. Der PCC (Parochial Church Council = Kirchenvorstand) Biddenden + Smarden hat dem Vorstoß unseres Pfarrers im Herbst 2013 zugestimmt und der Kirchenvorstand Zornheim und Ebersheim schloss sich dem an.
Wir wollen Austausch pflegen, voneinander und übereinander lernen und uns dann auch gegenseitig besuchen.

Bewegt sich die Kirchengemeinde damit auf ökumenischen Neuland?

Ja und nein!
Ja: Für uns ist dieser Austausch mit den anglikanischen Kirchengemeinden etwas Neues.
Nein: Seit 1988 gibt es eine Vereinbarung zwischen der Ev. Kirche in Deutschland (EKD) und der Church of England (CoE): "Auf dem Weg zu sichtbarer Einheit". Das sogenannte Meißenpapier (weil es in Meißen verabschiedet wurde) ermuntert zu wechselseitigem Kontakt und Austausch.
Wörtlich heißt es darin:

    Wir verpflichten uns zur Teilnahme an gemeinsamem Leben und gemeinsamer Sendung.
    Wir werden alle möglichen Schritte zu engerer Gemeinschaft auf so vielen Gebieten
    christlichen Lebens und Zeugnisses wie möglich unternehmen,
    so daß alle unsere Mitglieder
    gemeinsam auf dem Weg zu voller, sichtbarer Einheit voranschreiten mögen.

Auf diesem Hintergrund sind viele Partnerschaften entstanden und das Meißenkomittee (dem z.B. auch Propst Rink aus Wiesbaden angehört) trifft sich regelmäßig um die Fortschritte zu besprechen.

Wer ist unser Partner? Wo ist Biddenden und wo Smarden?

Wir stehen in Kontakt mit den anglikanischen Kirchengemeinden Biddenden und Smarden und deren Pfarrer Alex Bienfait.
Es handelt sich dabei um zwei pfarramtlich verbundene Gemeinden im Dekanat Romney and Tenterden in der Diözese Canterbury.
Biddenden und Smarden liegen im Borough of Ashford in der Grafschaft Kent, England. Biddenden hat rund 2.400, Smarden 1.200 Einwohner.

Die beiden Gemeinden liegen in der Grafschaft Kent in Südengland ungefähr 50 Minuten von Dover entfernt. Die nächste größere Stadt ist Ashford (mit Bahnhof zum Channeltunnel).

© OpenStreetMap contributors

 

Infos zu Biddenden udn Smarden im Internet:

Die Kirchengemeindem Biddenen und Smarden

Biddenden

Der Ort Biddenden - The official Biddenden Parish Council website

Biddenden bei Wikipedia

Biddenden bei villagenet

 Biddenden Vineyard

Smarden

Der Ort Smarden - offizelle Seite des Gemeindevorstand

 Smarden bei wikipedia (englisch)

Smarden Local History Society and Heritage Centre  

Schule

Grundschule in SmardenSmarden Local History Society and Heritage Centre

Grundschule in Biddenden

Was können wir lernen?

Den meisten Zorn- und Ebersheimern ist zum Beispiel die Liturgie der anglikanischen Kirche völlig fremd. Aber genau hier soll das Gespräch und das Voneinanderlernen ansetzen. Jedes Entdecken neuer Zusammenhänge führt unweigerlich zu der Rückbeziehung auf das Eigene: Und wie ist das bei uns?

Da die Partnerschaft auf Wechselseitigkeit angelegt ist, sollen alle Besucher privat untergebracht werden. So wird man am besten verstehen, wie Menschen in England bzw. Deutschland leben, was sie beschäftigt, was sie stärkt und stützt.

Was muss ich tun, wenn ich mich beteiligen will?

Bereit sein am Austausch teilzunehmen: Wer mitfährt und Gastfreundschaft genießt, sollte auch Gastfreundschaft gewähren. Grundsätzlich ist eine Begegnung von Mensch zu Mensch auf Gegenseitigkeit vorgesehen, denn dadurch lernen wir die Lebensbedingungen im anderen Land am Besten kennen und stolpern am häufigsten über die Frage: Wie ist das eigentlich in England oder Deutschland? Aber auch für die, die keinen Platz haben oder denen die Reise zu beschwerlich ist, werden wir uns was überlegen.

Wie sieht es dort aus?

Die anglikanische All Saint's Church in Biddenden ist eine romanische Kirche mit beiliegenden Friedhof, auf dem auch das Doppelgrab der Siamesischen Zwillinge Mary and Eliza Chulkhurst (s.u.)zu finden ist. Die Bänke der Kirche sind mit von Gemeindemitgliedern gestrickten Sitzkissen aufwändig ausgestattet, wobei besonders die Kissen mit Motivreihen (bspw. Kreuzvariationen und Jahreszeiten) beachtenswert sind.

Im Eingangsbereich befinden sich gegenüberliegend zwei kunstvoll ausgeführte Fenster, die Vogelmotive zeigen ("All ye birds on the wing praise the LORD!" / "Alle Vögel unter dem Himmel preisen GOTT!").

Mary Chulkhurst und Eliza Chulkhurst (* 1100 in Biddenden, Kent, England; † 1134 ebenda) waren zwei Geschwister, die einer lokalen Legende nach als Siamesische Zwillinge geboren wurden und unter dem Namen Biddenden Maids bekannt wurden.

Die Kirchengemeinde des Dorfes erbte von der wohlhabenden Chulkhurst-Familie nach dem Tod der Schwestern 20 acres Land (etwa 81.000 Quadratmeter). Verbunden war die Erbschaft mit der Auflage, den Ertrag aus dem Landbesitz als Unterstützung an Arme und Alte zu geben.

Diese sogenannte „Bread-and-Cheese-Charity" wurde allerdings erst im Jahr 1665 in Gerichtsakten erstmals erwähnt. Zur Erinnerung an diese wohltätige Stiftung - die bis heute existiert - werden an jedem Ostersonntag zwei Stück Kekse, geprägt mit einem Bild der Zwillingsschwestern, an die Besucher der Stadt verteilt; die Armen erhalten zusätzlich Brot, Käse und Tee.

Das Abbild der beiden Zwillingsschwestern ist Wahrzeichen der Gemeinde Biddenden.    (Quelle wikipedia)

Auch beachtenswert: In Biddenden gibt es Weinbau!

Biddenden Vineyard ist die älteste kommerzielle Weinbau in Kent, gegründet von der Familie Barnes imJahr 1969 um Wein und Cider anzubauen. Es werden auf 22 Hektar Ortega, Schonburger, Huxelrebe und Dornfelder angebaut.

Entfernungen

Biddenden - Smarden ca 6.5 km
Biddenden - Ashford 21,5 km

Smarden - Ashord 17,5 km
Biddenden - Dover 56 km (ca 50 min)

Biddenden - Canterbury ca 43 km
Biddenden - Bodiam Castle ca 20 km


Info in Biddenden und Smarden

Auf dem sonntäglichen Mitteilungsblatt - den "Notices" - das im Gottesdienst in Biddenden und Smarden verteilt wird, findet sich zur Zeit (Oktober 2013) folgender Hinweis:

German link parish?
A joint benefice of two churches in Germany, Mainz-Ebersheim and Zornheim is inviting Smarden and Biddenden to develop a parish link.
Would you be interested in welcoming guests from Germany, might you be interested in visiting them in Germany? Please speak to Alex and let him know if interested.

Die akutellen "Notcies" findet man hier.