Konfigabe 2010
Karmi Kumari musste zwölf Stunden am Tag Steine schleppen. Heute geht sie dank Foto: Jörg Böthling
| Karmi Kumari war erst acht, als sie begann im Steinbruch zu arbeiten. Ihre Aufgabe war es, die Steine in Körben zu sammeln und auf dem Kopf zu Lastwagen zu tragen. „Wir arbeiteten zwölf Stunden am Tag“, erinnert sich das zierliche Mädchen. „Mit Ausnahme der Mittagspause durften wir nie ausruhen, nicht einmal zur Toilette gehen.“ Immer wieder bat Karmi ihren Vater verzweifelt, sie möge zu Hause bleiben dürfen. Doch die Familie ist arm und hat neun Kinder. „Ich kann euch nicht alle ernähren“, antwortete der Vater. „Du musst arbeiten gehen.“ Eines Tages standen plötzlich Mitarbeiter der „Bewegung zur Rettung der Kindheit“ (BBA) im Steinbruch. Sie sagten zu den überraschten Kindern: „Habt keine Angst. Ihr seid frei.“ Karmi wurde in eine BBA-Einrichtung gebracht, wo sie endlich Kind sein darf. Sie geht zur Schule und nimmt an den zahlreichen Freizeitaktivitäten teil: „Am liebsten mag ich Englisch und Tanzen“, erzählt die Zwölfjährige. |
Information zu dem mit der Konfigabe 2010 unterstützten Projekt
„Noch heute gibt es Menschen, die denken, dass es nicht so schlimm ist, wenn Kinder arbeiten, weil sie dann zumindest etwas zu essen haben. Doch solange wir Kinderarbeit und Analphabetismus nicht beseitigen, können wir auch die Armut nicht überwinden“, erklärt Kailash Satyarthi, Gründer und Leiter von BBA. Mehr als 75.000 Kinder hat die Organisation in den vergangenen 25 Jahren bei Razzien aus den schlimmsten Formen der Kinderarbeit befreit – meist in Zusammenarbeit mit den Behörden und der lokalen Polizei.
Die Organisation sorgt auch dafür, dass die befreiten Kinder die Entschädigung erhalten, die ihnen seit 1986 nach indischem Recht zusteht – und einen Platz in der Schule. Ist zu befürchten, dass ihre Eltern sie trotzdem wieder zum Arbeiten schicken, nimmt BBA die Mädchen und Jungen für sechs Monate in einer ihrer Einrichtungen auf, erteilt ihnen Nachhilfeunterricht und finanziert ihnen eine berufliche Ausbildung – so dass sie anschließend auf eigenen Füßen stehen können.
Neben der Befreiung und Förderung von Kindern ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit ein Schwerpunkt der Arbeit von BBA. Die Organisation hat gemeinsam mit „Brot für die Welt“, dem katholischen Hilfswerk Misereor und dem Kinderhilfswerk terre des hommes Anfang der 1990er Jahre die weltweit erste Konsumenten-Kampagne gegen Kinderarbeit ins Leben gerufen. Sie klärte die deutschen Verbraucher darüber auf, dass ein Großteil der hier erhältlichen Teppiche in Indien, Nepal und Pakistan unter menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen von Kindern geknüpft worden waren. Und sie forderte, nur noch Teppiche zu kaufen, die garantiert nicht von Kinderhand gefertigt wurden.
Die Kampagne war ein Riesenerfolg: Bis heute wurden über 3,5 Millionen Teppiche mit dem Rugmark-Label verkauft. Dieses Gütesiegel bescheinigt dem Hersteller, dass in seinem Betrieb keine Kinder beschäftigt sind. „Als wir die Kampagne starteten, arbeiteten in Südasien rund eine Million Kinder in Teppichmanufakturen“, sagt Kailash Satyarthi. „Heute sind es noch 300.000.“
„Unser Ziel ist eine Gesellschaft, in der kein Kind ausgebeutet wird und jedes eine gute und kostenlose Schulbildung erhält“, sagt Kailash Satyarthi. „Ich bin optimistisch, dass ich dies noch erleben werde.“ Text: Thorsten Lichtblau
Träger
Bachpan Bachao Andolan (BBA)
Finanzierung (drei Jahre)
„Brot für die Welt" € 152.082,-
www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/bba
